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Varel und der Zweite Weltkrieg

Varel Kriegsgefangene.jpg

Auch in Varel und Umland zwangen Menschen zum Beispiel andere Menschen – meist Osteuropäer*innen – während des Nationalsozialismus zur Zwangsarbeit. Hier ein Ausschnitt einer von Roten Kreuz im Jahr 1960 erstellten Liste von in Varel verstorbenen Zwangsarbeitern. Quelle: Arolsen Archives, DocID: 70627399.

Die Geschichte des Vareler Altersheims für Displaced Persons lässt sich nicht vollständig verstehen, ohne nach der Vorgeschichte des Ortes zu fragen, an dem die Alliierten und die IRO das Heim 1950 gründeten. Denn das Heim wurde nicht in einem luftleeren Raum errichtet, sondern in einer Kleinstadt, die – wie alle deutschen Städte – ihre eigene Geschichte im Nationalsozialismus hatte.

Wie standen die Vareler*innen zum Nationalsozialismus? Wie waren sie daran beteiligt? Und was bedeutet das für die Beurteilung der unmittelbaren Nachkriegszeit, in der auf einem ehemaligen
Wehrmachtskasernengelände ein Altersheim für Menschen entstand, von denen viele Opfer eben dieses Regimes gewesen waren? Diese Fragen sind für eine Public History des Vareler Altersheims zentral. Denn die Haltungen, die die Vareler Bevölkerung in den 1950er-Jahren gegenüber den DPs einnahm – von nachbarschaftlichem
Austausch über Gleichgültigkeit bis hin zu offener Ablehnung –, hatten ihre Wurzeln in der Zeit davor. Ressentiments, Rassismen und Denkmuster aus dem Nationalsozialismus waren nicht mit dem Kriegsende verschwunden.


Die folgenden Abschnitte nähern sich dieser Vorgeschichte aus zwei Perspektiven. Zum einen finden Sie ein von Melina Kernchen (Lothar-Meyer-Gymnasium Varel) erarbeitetes Ausstellungskapitel über Fritz Suhren, einen gebürtigen Vareler, der als SS-Sturmbannführer und Lagerkommandant des Konzentrationslagers Ravensbrück zu den Tätern des nationalsozialistischen Vernichtungssystems gehörte. Zum anderen beleuchtet ein weiterer Ausstellungsteil die Haltung der Vareler*innen gegenüber den DPs Ende der 1940er-Jahre. Sicherlich gab es in Varel auch viele Menschen mit ganz anderen Haltungen. Doch als hier 1950 das Altersheim unter anderem für NS-Opfer errichtet wurde, geschah dies nicht an einem gänzlich unschuldigen Ort.

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von Sebastian Huhn
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