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Der Hintergrund der jugoslawischen Gruppe

Die Gruppe der Jugoslawen

Stellvertretend für viele verschiedene Nationalitäten im Heim können für die Bewohner*innen aus Jugoslawien Hintergrundinformationen zu den historischen Umständen und den Gründen, warum die Menschen im Heim in Varel waren, gegeben werden. Letztlich spielten aber immer auch individuelle Gründe eine sehr wichtige Rolle.

Die jugoslawischen Bewohner des Heims waren zu über 90 Prozent Männern. Dies hatte verschiedene Ursachen. Vor allem kamen viele ehemalige Soldaten und Offiziere als Kriegsgefangene in das Deutsche Reich. Zum Verständnis ist wichtig, dass Jugoslawien während des Zweiten Weltkrieges ein gespaltenes Land war. Die meisten Teile des Balkanlandes standen unter der Besatzung des Deutschen Reichs und seiner Verbündeter, allen voran Italien, aber auch Bulgarien und Ungarn. Ein zentrales Ereignis war etwa die Kapitulation im April 1941, wodurch schätzungsweise 300.000 Soldaten und Offiziere in deutsche Kriegsgefangenschaft gerieten.1 Aus den Meldekarten über die Bewohner im Heim geht hervor, dass dort eine verhältnismäßig große Zahl von ehemaligen Offizieren und anderen Angehörigen Zuflucht fand.

Auch über die Besatzung mit all ihren Folgen hinaus befand sich das Land während des Zweiten Weltkrieges in einer komplexen Kriegssituation. Hierzu trug auch ein innerhalb Jugoslawiens bürgerkriegsähnlich ausgetragener Konflikt bei. Zwei zentrale Konfliktparteien standen dabei im Mittelpunkt. Zum einen die sogenannten Cetniks, die vor allem im Bereich Serbiens und Bosnien und Herzegowinas für die Beibehaltung einer royalistischen Ausrichtung des Landes kämpften. Zum anderen erstarkte im Verlauf des Krieges zunehmend die Bewegung der Volksbefreiung, die unter Führung Josip Broz Titos aus der ehemaligen kommunistischen Partei hervorgegangen waren. Der Konflikt war geprägt von starker Gewalt und zog weitere Vertreibungswellen mit sich. 

Nachdem die Kommunisten gegen Ende des Krieges die Macht von den Besatzungsmächten an sich reißen konnten kam es zu einer Welle von Vergeltungsmaßnahmen gegen politische Gegner. Es wurden Gesetze erlassen, die das Verlassen Jugoslawiens während des Krieges als Verrat einstuften. Ebenso wurde das Arbeiten in institutionellen Berufen während der Besatzungszeit als Verrat gewertet. Diese Menschen sowie Kämpfer der Cetnik hatten nun mit Verfolgung und Bestrafung zu rechnen. Dementsprechend gab es viele Menschen, die auch nach Kriegsende nicht in ihre Heimat zurückkehren wollten. Im Heim fanden sich einige Bewohner, die der Cetnik-Bewegung angehörten oder in derartigen Berufen gearbeitet hatten.

  1.  Ferhadbegovic, Sabina: Recht und Gerechtigkeit? Ahndung von Menschheitsverbrechen in Jugoslawien zwischen Völkerrecht und Partisanenjustiz, in: Krieg in der Geschichte, Band 124, Boston u.a. : Brill Schöningh 2025: 20.

Bild Mitar Vukicevic.png

Das Bild zeigt den Sprecher der jugoslawischen Gruppe im Heim, Mitar Vukicevic. Er war ehemaliger Offizier und emigrierte 1956 in die USA. 

Quelle: Arolsen Archives, DocID: 79894373

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von Jonas Griese
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[1] Ferhadbegovic, Sabina: Recht und Gerechtigkeit? Ahndung von Menschheitsverbrechen in
Jugoslawien zwischen Völkerrecht und Partisanenjustiz, in: Krieg in der Geschichte, Band 124,
Boston u.a. : Brill Schöningh 2025: 20. 

[2] Sundhaussen, Holm: Zweiter Weltkrieg und Besatzungsherrschaft in Südosteuropa, in: Clewing,
Konrad/Grandits, Hannes (Hrsg.): Handbuch zur Geschichte Südosteuropas, Band 3, Berlin
u.a.: De Gruyter 2024: 578 ff. 

[3] Grünfelder, Anna: “Displaced Persons” aus Jugoslawien. Repatriierung und Reintegration seit
1945, in: Südost-Forschungen, Band 74, 2015, H.1: 77 ff.