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Die Meldekartei

Die Meldekartei

Ein großer Teil der DPs, die in dem Vareler Altersheim untergebracht wurden, wurde in einer Meldekartei auf Karteikarten erfasst.1 Für insgesamt 1.452 Personen sind diese Karteikarten bis heute erhalten und können ausgewertet werden. Es finden sich darin Informationen, die einen Einblick in das Leben der DPs in Varel und darüber hinaus ermöglichen. Allerdings ist zu beachten, dass die Karteikarten immer nur einen zeitlich begrenzten Eindruck ermöglichen. Dieser Eindruck stammt nicht von den Bewohner*innen selbst, sondern von den Personen, die die Karteikarten ausfüllten. Trotzdem lässt sich beispielsweise untersuchen, wie alt die Bewohner*innen bei ihrem Einzug waren, wohin sie nach ihrer Zeit in Varel zogen, welcher Religion sie angehörten und vieles mehr. Auf den Karteikarten werden die Personen auf einige wenige Datenpunkte heruntergebrochen. Viele Informationen fehlen hier allerdings. Eine intensivere Auseinandersetzung mit den Lebenswegen einzelner Personen finden Sie hier.


  1. Meldekarten der Bewohner*innen des „Altersheims für heimatlose Ausländer“, Heimat- und Stadtarchiv Varel.

Vorderseite Karteikarte Triin Tasa (Beispiel Aufbau Karteikarten).png

Vorderseite der Meldekarteikarte von Triin Tasa, Quelle: Meldekarten der Bewohner*innen des „Altersheims für heimatlose Ausländer“, Heimat- und Stadtarchiv Varel.

Rückseite Karteikarte Triin Tasa (Beispiel Aufbau Karteikarten).png

Rückseite der Meldekarteikarte von Triin Tasa, Quelle: Meldekarten der Bewohner*innen des „Altersheims für heimatlose Ausländer“, Heimat- und Stadtarchiv Varel.

Aufbau und Inhalt der Karteikarten

Auf jeder Karteikarte wurde mindestens eine Person vermerkt, Ehepaare tauchen häufig zusammen auf einer Karte auf. Die Ehefrauen wurden zumeist auf den Karteikarten ihrer Ehemänner vermerkt. Das heißt, die Gesamtanzahl der Personen, die auf den Karteikarten vermerkt wurden, entspricht nicht der Anzahl der Karteikarten. Es kann angenommen werden, dass die Anzahl der vorhandenen Karten geringer ist als die Zahl der 1.452 auf den Karten vermerkten Personen.

Für beinahe jede Person wurden die folgenden Informationen vermerkt:

  • Name, Vorname (bei verheirateten Frauen häufig auch der Geburtsname)
  • Geburtsdatum
  • Todesdatum (keine eigene Kategorie, in der Regel mit einem rotem Kreuz auf Karteikarte notiert)
  • Geburtsort
  • Geburtskreis (zumeist eher Geburtsland)
  • Glaubensbekenntnis
  • Vermerke (hier wird zumeist die DP- bzw. IRO-Nummer notiert)
  • Vorherige und nachfolgende Wohnorte mit Zu- und Abzugszeitpunkt (nicht bei allen Personen sind Informationen über den vorherigen Wohnort vorhanden).

Die Konsequenz der Tatsache, dass verheiratete Frauen meist auf den Karteikarten ihrer Ehemänner geführt worden sind, ist das Fehlen einiger Informationen. So fehlen Angaben zu:

  • Staatsangehörigkeit
  • Beruf
  • Familienstand.

Noch geringer fielen die Informationen bei Familien mit minderjährigen Kindern aus. Letztere enthielten zumeist nur Informationen zu Geburtsdatum, -ort sowie (Vor-)Namen. Doch nicht nur aufgrund fehlender Felder auf den Karteikarten fehlten bei einigen Personen Informationen. So fehlen bei etwa 36 % der Personen Angaben zum Beruf und bei 4 % die Religionszugehörigkeit.

Es gab mindestens 46 Hochzeiten in Varel, was dazu führte, dass einige Personen auf mehreren Karteikarten verzeichnet wurden. Ein Beispiel ist Ida Jermakovs (geb. Kupferschmidt), die am 05.06.1950 mit ihrem ersten Ehemann Konstantin Jermakovs in das Altersheim in Varel zog. Nach dem Tod ihres Ehemanns am 20.11.1955 heiratete sie am 21.07.1956 den Witwer Janis Apars in Varel. Letzterer war mit seiner Ehefrau Olga Abele am 11.06.1950 nach Varel gekommen. Doch Olga starb am 08.03.1953 in Varel. Ida überlebte auch ihren zweiten Ehemann Janis und zog am 10.09.1959 nach Oldenburg. Ida und Janis verdeutlichen, dass das Leben in Varel für die Bewohner*innen weiterging.

Zusätzlich zu den Karteikarten waren in der Kartei mehrere Zettel enthalten, die weitere Informationen enthielten oder anstelle einer Karteikarte Informationen zu einer Person darlegten. Zumeist befanden sich auf diesen Zetteln genauere Informationen über den neuen Wohnort der Person, nachdem diese umgezogen war. Auf den Karteikarten wurden nur in den wenigstens Fällen genaue Adressen angegeben, dies war jedoch auf den Zetteln die Norm. Ansonsten wiederholten diese Zettel oftmals die Informationen, die schon auf der Karteikarte vermerkt waren. Doch durch diese Zettel wird ein Problem der Kartei deutlich. Nicht selten wichen die Schreibweise der Namen oder gar der Geburtsort zwischen Zettel und Karteikarte voneinander ab bisweilen sogar das Geburtsdatum. Es ist davon auszugehen, dass die Angaben in vielen Fällen von der eigentlichen Schreibweise der Daten abweichen. Eine Erklärungsmöglichkeit ist die Sprachbarriere zwischen DPs und der Person, die ihre Daten auf den Karteikarten notierte. Weitere Informationen zu diesem Problem finden Sie hier.

Aufbewahrt werden die Karteikarten vom Heimat- und Stadtarchiv Varel. Dort wurden alle Karteikarten auf einer Exkursion des von Sebastian Huhn geleiteten Seminars: „Zwangsmigration, Flüchtlingspolitik und Gesellschaft in Niedersachsen nach dem Zweiten Weltkrieg“ an der Universität Osnabrück  im Wintersemester 2024/25 gescannt und durch Studierende in einer Excel-Tabelle für die Auswertung zugänglich gemacht.4 

Die Themen Religion, Herkunft und die Wohnorte vor und nach Varel wurden auf verschiedenen Seiten tiefergehend untersucht. Diese Auswertungen sind jedoch nur ein Anfang. Wenn Sie sich die digitalisierte Kartei ansehen wollen, können Sie dies unten auf dieser Seite tun. Die Tabelle können sie filtern, sortieren und herunterladen. Vielleicht machen Sie dabei ja ihre eigenen Beobachtungen.

  1. In dieser Exceltabelle wurden alle Informationen, die auf den Karteikarten stehen, notiert. Zusätzlich wurde jeder Person eine Nummer (ID) zugeordnet.

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von Hannah Spille
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