Veranstaltungen, Beschäftigungen und Kultur im Altersheim
Im Altersheim hatten die Bewohnerinnen und Bewohner unterschiedliche Möglichkeiten sich zu beschäftigen. Zum einen bot das Altersheim Räume und Orte, an denen sich die Bewohner*innen beschäftigen konnten. Zudem fanden im Altersheim immer wieder größere Veranstaltungen statt. 1956 trat die Militärkapelle der Royal Air Force ein Konzert im Altersheim auf.
Historische Fotoaufnahmen zeigen, dass auf einer Freifläche vor den Wohngebäuden Bänke aufgebaut wurden, auf denen die Zuschauer*innen saßen. Viele Heimbewohner*innen nahmen an diesem Konzert teil und lauschten der Kapelle.
Doch dieses Konzert war nicht das einzige, das im Altersheim stattfand. Insbesondere das lettische Komitee organisierte weitere Konzerte und andere Veranstaltungen.2
In der lettischen Zeitung ‚Latvija‘ wurde über eine Komödie berichtet, die eine Theatergruppe aus Augustdorf im August 1956 im Altersheim aufführte:
"Trotz des regnerischen Wetters war die Vorstellung gut besucht und wurde von führenden Persönlichkeiten der Gemeinde angesehen. Der Vorsitzende des Komitees, J. Bumanis, überreichte im Namen der lettischen Gruppe Blumen und dankte dem Regisseur Ed. Podisam und den Schauspielern für den schönen Moment, den sie den alten Leuten bereitet hatten. Nach der Aufführung verweilten die Zuschauer bei den Varelern am Teetisch."
-
Vgl. Frerichs: Altersheim, S. 11.↩
Die lettische Zeitung berichtet nicht nur über die Komödie, die den Heimbewohner*innen viel Freude bereitet hat, sondern auch über eine Beteiligung von Menschen aus Varel selbst. Demnach wurde das Altersheim auch lokal als Ort von Veranstaltungen wahrgenommen.
Wenn keine Veranstaltungen im Heim stattfanden, hatten die Bewohner*innen die Möglichkeit, unterschiedlichen Beschäftigungen im Heim nachzugehen. Manche Bewohner*innen nutzten die Freifläche namens 'Klein Korea', um dort Gemüse anzubauen oder Tiere zu halten. Andere wiederum verbrachten ihre Zeit in den Bibliotheken, die es im Altersheim für jede Nationalität gab..4
In einer estnischen Zeitung heißt es, dass in der Bibliothek für die Est*innen sowohl die estnische Zeitung 'Meie Elu' als auch deutsche Tageszeitungen auslagen. In der Bibliothek fanden "Debatten über Literatur, Kunst und andere aktuelle Themen"5 statt. Die Bewohner*innen nutzten die Bibliothek demnach insbesondere für intellektuelle Beschäftigungen.
Für handwerkliche Tätigkeiten stand den Bewohner*innen ab 1953 ein Werkraum zur Verfügung. Dieser wurde vom Weltkirchenrat eingerichtet und soll gut ausgestattet gewesen sein.6
Auf dem nebenstehenden Foto ist zu erkennen, wie mehrere Bewohner*innen an verschiedenen Maschinen im Werkraum arbeiten. Die Personen im Vordergrund arbeiten mit Stoffen und stricken scheinbar Kleidung oder Materialien.
Insgesamt vermitteln die historischen Fotoaufnahmen und die Beschreibungen von Konzerten und der Bibliothek den Eindruck, dass die Bewohner*innen im Altersheim ein abwechslungsreiches Leben führten und vielen Beschäftigungen nachgehen konnten. Allerdings zeigen die Quellen nur gewisse Ausschnitte aus dem Alltag im Heim. Sicherlich wird es auch Bewohner*innen gegeben haben, die nicht an den Veranstaltungen und Beschäftigungsmöglichkeiten partizipieren konnten oder wollten und deren Leben im Altersheim nicht so schön war.
-
Vgl. Frerichs, S. 33.↩
-
Saksamaal, Laane: Vareli vanadekodus 104 eestlast, in: Meie Elu Nr. 24, 11.06.1952, URL: https://testdea.nlib.ee/cgi-bin/dea?a=d&d=meieelukanada19520611.2.67&e=-------et-25--1--txt-txIN%7ctxTI%7ctxAU%7ctxTA------------- (abgerufen am 24.09.2025), übersetzt mit DeepL.com.↩
-
Vgl. Frerichs, S. 33.↩
___________________________________________________________
von Lea Horstmann
___________________________________________________________


