Persönliche Netzwerke und Verwandschaftsbeziehungen
Viele Bewohner*innen des Altersheims hatten Angehörige und Bekannte, aber auch Netzwerke und Beziehungen im Ausland. Überdies gab es persönliche Beziehungen zwischen den Bewohner*innen oder Netzwerke, die in Varel entstanden sind.
Wer die Kontaktpersonen der Bewohner*innen waren, lässt sich über die Meldekartei des Altersheims, IRO-Dokumente, das Bestattungsregister und viele weitere Dokumente nachvollziehen.
Über die Meldekartei können vor allem die Ehepaare ausgemacht werden, die zusammen im Altersheim untergebracht waren. Kinder oder andere Angehörige sind häufig in IRO-Dokumenten verzeichnet und finden sich im Bestattungsregister als Besitzer*innen von Gräbern verstorbener Heimbewohner*innen. Viele Adressen der Angehörigen, die im Bestattungsregister verzeichnet sind, befinden sich im Ausland.
Dass viele Angehörige der Bewohner*innen im Ausland lebten, hängt vor allem mit dem Schicksal der Bewohner*innen im Zweiten Weltkrieg und dem Resettlement-Programm der IRO zusammen. Viele Eltern wurden von ihren Kindern getrennt, weil die Kinder in andere Länder auswandern konnten, wohingegen die Eltern aufgrund ihres hohen Alters oder ihrer Gesundheit in Deutschland bleiben mussten und nicht auswandern konnten oder durften.
Doch es bestanden auch Netzwerke und Verbindungen in die Heimatländer der Bewohner*innen. Insbesondere in lettischen und estnischen Zeitungen wurden zahlreiche Berichte über das Altersheim veröffentlicht. Ob dies auch für andere Länder, wie z.B. Polen, der Fall ist, kann an dieser Stelle aufgrund der Quellenlage nicht beantwortet werden.
Es interessierten sich aber nicht nur Menschen aus dem Ausland für die Bewohner*innen im Altersheim in Varel. Auch dort selbst gründeten sich nationale Komitees wie das lettische, das litauische oder das estnische Komitee. Diese sorgten jeweils für die Bewohner*innen der jeweiligen Nationalität. Sie planten Veranstaltungen, pflegten aber häufig auch den Kontakt zu größeren Organisationen in den Heimatländern.1
Heute spiegeln sich die Verwandtschaftsbeziehungen, Kontakte und Netzwerke der Bewohner*innen in deren Grabsteinen auf dem Friedhof in Varel wider. Viele dieser Grabsteine gibt es lediglich aufgrund der engen Verwandtschaftsbeziehungen und Netzwerke, die die Bewohner*innen pflegten.
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Vgl. Frerichs: Altersheim, S. 11f.↩
Der Grabstein Edde Blaus' befindet sich heute immer noch auf dem Friedhof in Varel. Er ist Teil eines Gedenkortes, wird auf der Internetseite des Friedhofs thematisiert und wurde im Rahmen dieser Ausstellung digital eingescannt.
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von Lea Horstmann
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