Skip to main content

Die internationale Wahrnehmung des Heims

Das Altersheim in Varel wurde auch im Ausland wahrgenommen. Durch die Verwandtschaftsbeziehungen der Bewohner*innen ins Ausland und deren Verwurzelung in nationalen Gemeinschaften entstand auch dort ein Interesse am Altersheim. In estnischen und lettischen Zeitschriften lassen sich zahlreiche Berichte über das Altersheim finden.

Bericht_Ein Samstag in Varel_lettische Zeitung.jpg

Zeitungsartikel "Viena sestdiena Farelē" / "Ein Samstag in Varel" in lettischer Zeitung.

Quelle: LATVIJAS NACIONĀLĀ BIBLIOTĒKA

Am 11.08.1951 erschien in der lettischen Zeitung Laiks ein Bericht mit dem Titel 'Ein Samstag in Varel. Spezialbericht aus Deutschland'. Unter dem Bericht steht das Kürzel 'Ād. Šilde'. Dies deutet vermutlich auf den Autor des Berichts, Ādolfs Šilde, hin. Ādolfs Šilde war nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Lettischen Nationalkomitee tätig und setzte sich in Deutschland für Lettinnen und Letten ein.1 

Ādolfs Šilde besuchte im Sommer 1951 das Altersheim in Varel und hatte zunächst Sorge, dass seine Landsleute nicht gut untergebracht seien. Über die Unterbringung schrieb er aber: "Die Kaserne in Varel ist so neu und modern und für die derzeitige Aufgabe so gut ausgestattet, dass es unangebracht wäre, sie zu verachten. Allein die Tatsache, dass alte Menschen in kleinen Zimmern untergebracht werden können, die für zwei oder drei Bewohner vorgesehen sind, garantiert jedem seine eigene ungestörte Ecke."2 

Weiter berichtet er über die Bewohner*innen, deren Kinder häufig in Lettland, den USA oder Kanada leben würden. "Unter den Varelern [hier sind die Bewohner*innen des Heims gemeint] finden sich lettische Beamte, Lehrer und Soldaten im fortgeschrittenen Alter"3 . Dennoch führen viele Bewohner*innen im Altersheim ein sehr aktives, kulturelles Leben, so Šilde. Sie haben eine eigene Gemeinde, einen Chor und werden auch von deutschen Jugendlichen besucht. Ādolfs Šilde schildert in seinem Bericht ein Treffen mit dem Arzt des Altersheims. Dieser habe ihm erklärt, dass sich die meisten Bewohner*innen in der letzten Lebensphase befinden und deshalb auch viele krank seien. Auf seine Nachfrage, ob sich die Deutschen denn ausreichend um das Altersheim kümmern würden, antwortete der Arzt: "Ich kann offen sagen, dass die deutsche Kirche, die die Einrichtung unterhält, die alten Menschen besser als die IRO versorgt. Man spürt wirklich den christlichen Geist und die christliche Haltung."4 Der Vorsitzende des lettischen Komitees im Altersheim wies Ādolfs Šilde jedoch auch darauf hin, dass einigen Bewohner*innen, deren Söhne gestorben waren, das ihnen zustehende Geld verweigert wurde. Ādolfs Šilde beendet seinen Bericht mit der Aussage, dass einige Lett*innen die Last des Lebens in Deutschland nicht ertragen würden.5 Trotz dieses nüchternen Endes bleibt der Eindruck bestehen, dass Ādolfs Šilde insgesamt positiv vom Altersheim beeindruckt war. 

  1. Vgl. Wikipedia-Artikel; hier noch weiterrecherchieren und andere Quelle finden.

  2.  Šilde, Ādolfs: Viena sestdiena Farelē, in: Laiks Nr. 63, 11.08.1951, URL: https://periodika.lndb.lv/periodika2-viewer/?lang=fr#panel:pa|issue:1066791|article:DIVL120|query:Fareles%20 (abgerufen am 24.09.2025), übersetzt mit DeepL.com.

  3. Ebd.

  4. Ebd.

  5. Vgl. Ebd.

___________________________________________________________

von Lea Horstmann
___________________________________________________________