Trägerschaft und Organisation
Das Vareler Altersheim wurde von 1950 bis 1954 von dem Caritasverband und der Inneren Mission treuhändisch verwaltet. In ihrer Rolle als Träger des Altersheims waren sie für die Verwaltung des Heims sowie die Bereuung und Versorgung der Bewohner verantwortlich. Ihre Arbeit war von vielen Herausforderungen geprägt, was nicht zuletzt an dem Mangel an finanziellen Mittel lag. Mit der Übergabe der Verantwortung über die DP’s an die deutschen Behörden, brach auch die finanzielle Unterstützung durch die IRO weg. Von dort an war das Vareler Altersheim auf die Finanzierung durch die niedersächsische Landesregierung angewiesen, welche allerdings stets darauf bedacht war, die Kosten des Heims so gering wie möglich zu halten. So versuchte die Landesregierung den Tagessatz der Pflege unter 3 DM zu drücken,1 was sich als unmögliches Unterfangen herausstellte. Einer zeitgenössischen Wirtschaftsprüfung zur Folge waren die Kosten des Heims zwischen dem November 1951 und Juni 1953 um ca. 13 % gestiegen, wodurch sich die Durchschnittskosten eines Pflegetags auf 3,97 DM beliefen.2 Im Vergleich zu den Standorten Insula und Dornstadt waren die Gebäude des Vareler Altersheim in einem dürftigen Zustand und auch die Personalgröße war trotz höherer Belegschaft weitaus kleiner.3
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Pastor Maultasch schreibt OKR Kloppenburg über die Sorgen der Heimleitung vor dem Versuch der Landesregierung, den Tagessatz der Pflege unter 3 DM zu bringen vom 26. Juni 1951, Archiv der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg, Ortsakten OKR 1849-1958, 2455, Varel: D.P. – Altenheim Varel (Altenheim für heimatlose Ausländer).↩
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Stellungnahme zu einzelnen Fragen der geplanten vertraglichen Regelung bezüglich des Altersheims für heimatlose Ausländer Varel abgegeben für das Hilfswerk der Evangelischen Kirche in Deutschland Hauptbüro Oldenburg von Andreas Rapp am Oktober 1953, Archiv der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg, Ortsakten OKR 1849-1958, 2455, Varel: D.P. – Altenheim Varel (Altenheim für heimatlose Ausländer).↩
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Erfahrungsbericht über die Besichtigung der Altersheime Dornstadt und Insula an OKR Kloppenburg vom 07. Mai 1952, Archiv der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg, Ortsakten OKR 1849-1958, 2455, Varel: D.P. – Altenheim Varel (Altenheim für heimatlose Ausländer).↩
Die Vareler Heimleitung war daher von Beginn an dazu gezwungen, die Verpflegung zu kürzen, und war auf Spenden aus dem Ausland durch die Organisationen L.W.F. (Lutheran World Federation) und W.C.C. (World Council of Churches) angewiesen.4 Die Mitbewohner des Heims mussten zudem in der Küche aushelfen5 und wurden auch mehrmals zur gemeinsamen Garten- und Feldarbeit angehalten, um die Lebensmittelkosten zu reduzieren.6 So schrieb Frau Loescher in ihrem Monatsbericht vom 15. Mai bis zum 30. Juni 1951 darüber, wie die Heimleitung einen Großteil der Bewohner zur Mitarbeit bewegen konnte:
„Herr Pleus appellierte nun an die Anständigkeit und an das Ehrgefühl der Heiminsassen und bat sie, doch nun auch ihrerseits für ihr eigenes Heim ihre Arbeitskraft im Rahmen des Möglichen zur Verfügung zu stellen und mitzuhelfen […]. Auch Kartoffeln schälen sei keine schändende Arbeit und da jeder Heiminsasse nur alle drei Wochen 1 ½ Stunden herangezogen würde, läge dies wohl auch durchaus im Rahmen des Möglichen. […] Nach zwei Tagen stellten sich die neuen Arbeitskomitees vor und die Arbeiten konnten verteilt werden. Es war eine Freude zu sehen, wie nun plötzlich in den Gartenanlagen gearbeitet wurde."7
Der Mangel an finanziellen Mitteln beeinflusste auch die Struktur des Heims selber. So bestand die Landesregierung stets darauf, auch deutsche Flüchtlinge im Heim aufzunehmen, um die Wirtschaftlichkeit zu garantieren. Die ev. Hilfswerken Oldenburg, Braunschweig und Hannover widersprachen 1954 dieser Idee und betonten, dass eine Belegung mit 800 oder 1000 Menschen etwas „Wesensfremdes“ in ihre Arbeit bringen würde. Die Jahre zuvor hatten bereits gezeigt, dass das Heimpersonal unterbesetzt war und sie insbesondere ihrer Arbeit als Seelsorger nur geringfügig gerecht werden konnte.
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Dorothea Loescher: Bericht zur Arbeit beim Altersheim für heimatlose Ausländer Varel Abteilung Fürsorge vom 28. August 1952, Archiv der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg, Ortsakten OKR 1849-1958, 2455, Varel: D.P. – Altenheim Varel (Altenheim für heimatlose Ausländer).↩
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Dorothea Loescher: Bericht zur Arbeit beim Altersheim für heimatlose Ausländer Varel Abteilung Fürsorge vom 28. August 1952, Archiv der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg, Ortsakten OKR 1849-1958, 2455, Varel: D.P. – Altenheim Varel (Altenheim für heimatlose Ausländer).↩
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Abschrift aus „Betriebsunterlagen für Altersheim Varel“, Archiv der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg, Ortsakten OKR 1849-1958, 2455, Varel: D.P. – Altenheim Varel (Altenheim für heimatlose Ausländer).↩
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Monatsbericht der Fürsorgerin im D.P. Altersheim Varel vom 15. Mai bis zum 30 Juni 1951, Archiv der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg, Ortsakten OKR 1849-1958, 2455, Varel: D.P. – Altenheim Varel (Altenheim für heimatlose Ausländer).↩
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von Julian Tischer
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