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Das Personal des Altersheims

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Die beiden Leiter des Altersheims an ihren Schreibtischen.

Quelle: Heimat- und Stadtarchiv Varel

Das Personal des Altersheims für Displaced Persons in Varel setzte sich aus vielen unterschiedlichen, deutschen Personen zusammen. Die Leitung des Heims wurde zunächst von zwei Männern übernommen, die zuvor in der Verwaltung in einem evangelischen Haus und bei der Caritas und anderen kirchlichen Einrichtungen gearbeitet hatten. Unterstützt wurde die Heimleitung von fünf Ehepaaren, den sogenannten „Hauseltern“.  

Die weiblichen „Hauseltern“ waren für die Hauswirtschaft und Pflege zuständig, die männlichen „Hauseltern“ kümmerten sich um die Verwaltung des Heims und anstehende handwerkliche Aufgaben. Im Altersheim gab es eine Fürsorgeabteilung und eine Krankenstation, in der vor allem Frauen arbeiteten. Das Heimpersonal war zudem für die Mahlzeiten der Bewohner und Bewohnerinnen zuständig.2

  1.  Vgl. Frerichs, Holger: Das "Altersheim für heimatlose Ausländer" in Varel 1950 bis 1959. Dokumentation, Oldenburg: Isensee Verlag 2023, S. 15, S. 19, S. 25.

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Zwei Bewohnerinnen vor der Krankenstation im Altersheim im Sommer 1956.

Quelle: Heimat- und Stadtarchiv Varel

Auf der Krankenstation wurden ältere Personen gepflegt, aber auch Kranke behandelt. Ein Problem bestand darin, dass zu wenige Mitarbeitende ausgebildete Fachleute waren.3 

Eine der wenigen ausgebildeten Mitarbeiterinnen war Erika Schneider. Sie berichtet in einem Interview über ihre Arbeit im Altersheim:    
Nachdem sie ihre Ausbildung zur OP-Schwester bestanden hatte, arbeitete Erika Schneider ab 1954 als Krankenschwester im Altersheim. Mit dem Wechsel in das laut ihr „primitive[] Heim“4  und hatte sie anfangs zu kämpfen, konnte sich dann aber doch schnell einfinden.

  1. Vgl. Frerichs, Holger: Das "Altersheim für heimatlose Ausländer" in Varel 1950 bis 1959. Dokumentation, Oldenburg: Isensee Verlag 2023, S. 25.

  2. Erika Schneider in einem Interview über das Altersheim, undatiert, in: NLA OL Dep 20 FRI Akz. 2012 / 062 Nr. 172, Niedersächsisches Landesarchiv - Abteilung Oldenburg.

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Ausschnitt aus einem Interview mit Erika Schneider.

In dem Interview beschreibt Erika Schneider ihre Tätigkeit als Krankenschwester im DP-Altersheim in Varel. Trotz der Spannungen mit einigen Bewohnerinnen und Bewohnern scheint ihr die Arbeit Spaß gemacht zu haben - wie sie auch selbst sagt.

(undatiert; Quelle: NLA OL Dep 20 FRI Akz. 2012 / 062 Nr. 172, Niedersächsisches Landesarchiv - Abteilung Oldenburg)

Erika Schneider beschreibt, dass in dem Altersheim vor allem Menschen lebten, deren Verwandte ins Ausland ausgewandert waren und sie nicht hatten mitnehmen können. Viele von ihnen waren bereits in einem hohen Lebensalter. 
Immer wieder schildert Erika Schneider im Interview, dass sie nicht mit allen Heimbewohnerinnen und -bewohnern gut auskam: „Die jüngeren Polen, Russen, Esten, Letten usw. waren sehr schwierig.“ Sie führt nicht näher aus, worin die Schwierigkeiten mit diesen Personen bestanden. Allerdings vermutet sie, dass die Gründe dafür in den Erlebnissen und Erfahrungen der Bewohnerinnen und Bewohner während des Zweiten Weltkrieges lagen. Insbesondere über die Polen sagt sie, dass diese„uns Deutsche gehaßt“ haben, obwohl sie es laut ihr im Heim „doch auch gut hatten“. 

Für Erika Schneider waren die meisten der Bewohnerinnen und Bewohner freiwillig in Deutschland und hätten nicht in Varel bleiben müssen. Sie sagte deshalb über das Leben im Heim: „Ich meine, die konnten es gar nicht besser haben“.  Gleichzeitig erkannte Erika Schneider, dass „[d]iese alten Menschen […] doch aus ganz ärmlichen und kleinen Verhältnissen [kamen]“.

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Eine Mitarbeiterin des Altersheims sortiert Kleidung. 

Die originale Bildbeschriftung "Frau Burchard mit Lumpen" weist darauf hin, dass die Mitarbeitenden die Kleidung der Bewohnerinnen und Bewohner als schlechte "Lumpen" angesehen haben. Für viele war allerdings - wie Erika Schneider berichtet- ihre Kleidung das Einzige, was ihnen geblieben ist.

Quelle: Heimat- und Stadtarchiv Varel.

Sie berichtet, dass die Bewohnerinnen und Bewohner des Heims – oft zurückgelassen von ihren Familien – kaum etwas hatten. Viele hatten lediglich einen Karton mit ihren wichtigsten Sachen, z.B. Kleidungsstücken, unter ihrem Bett gelagert. Ihre „größte Sorge“  sei es gewesen, dass diese wenigen Wertsachen gestohlen werden könnten. Einige Bewohnerinnen und Bewohner konnten „kein Wort deutsch reden“,11 sich also kaum verständigen. Laut Erika Schneider verhielten sich die Menschen auch anders als sie es gewohnt war – so hatten sie bspw. andere Essgewohnheiten.

Erika Schneiders Schilderungen sind eine Perspektive auf die Arbeit im Heim, aber auch auf die Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner. Vielleicht haben andere Mitarbeiter*innen die Arbeit ganz anders wahrgenommen. Und sicherlich gestaltete sich auch das Leben im Heim für die Bewohnerinnen und Bewohner sehr unterschiedlich.

  1. Ebd.

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von Lea Horstmann
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