Das Grab von Peteris Lange
Auch Peteris Lange ist 1945 als Displaced Person in Deutschland registriert worden. Er wurde 1879 in der Region Valmiera (Wolmar) in Lettland geboren. Auf dem nebenstehenden Dokument ist angegeben, dass Peteris Lange 1945 verheiratet war und ein Kind bei sich hatte. Im Feld "Desired Destination" (gewünschtes Reiseziel) wurde Kanada vermerkt. Doch dort kam Peteris Lange selbst nie an.
Stattdessen sind er und seine Frau ab 1951 im Altersheim in Varel untergebracht worden. Ihr Sohn Edgars Lange hingegen konnte nach Kanada ausreisen. Auch die Tochter, Elizabete Lange, die scheinbar nicht auf dem Dokument vermerkt wurde, hat Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg verlassen. Sie wanderte 1947 nach England aus.1 Warum nur die Kinder der Eheleute Lange auswandern konnten, ist nicht näher bekannt. Vielleicht lag es am hohen Alter Peteris Langes, dass kein anderes Land ihn aufnehmen wollte.
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Vgl. Urdze, Laima: Telefonat über die lettischen Gräber auf dem Friedhof Varel, 06.06.25, Gesprächspartnerin: Lea Horstmann.↩
Peteris Lange starb 1957 im Altersheim in Varel. Seine Frau zog nach der Auflösung des Heims 1959 nach Delmenhorst um.2 In Varel aber blieb Peteris Langes Grab bestehen. Im Bestattungsregister ist eingetragen, dass Peteris Lange am 1. März 1957 im 40. Grab der achten Reihe des Friedhofsfeldes bestattet worden ist.3 Auf seinem Grab ließen seine beiden Kinder eine große Grabplatte mit seinem Namen und seinen Lebensdaten niederlegen.
Peteris Langes Enkeltochter, Laima Urdze, erzählte in einem Telefonat, dass sich ihre Tante (Langes Tochter Elizabete) bis in die 1980er-Jahre um das Grab ihres Vaters von England aus kümmerte. Vermutlich bezahlte sie, wie viele andere Angehörige, eine Summe, mit der die Gemeinde das Grab instand hielt. Nach dem Tod ihrer Tante hat Laima Urdze die Fürsorge für das Grab ihres Großvaters übernommen. Laima Urdze erzählte in dem Telefonat weiter, dass das Grab Anfang der 1980er-Jahre verlängert werden musste. Bei der Verlängerung habe ihr Paulis Urdze geholfen. Er ist nach Varel gefahren und habe nach dem Grab geschaut. Die daraufhin erfolgte Verlängerung ist auch im Bestattungsregister vermerkt.
Nicht im Bestattungsregister vermerkt, sind hingegen zwei Dinge: 1985 ließ Laima Urdze einen neuen Grabstein für ihren Großvater anfertigen und aufstellen, weil die ursprüngliche Platte abgetragen worden / verschwunden ist. Auf dem Grabstein stehen unter dem Namen und den Lebensdaten "latvietis" ('Lette') und unten ein Bibelzitat "mīlestība nekad nebeidzas" ('die Liebe hört nie auf').
Laima Urdze wollte das Grab 2023 erneut verlängern. Zu dem Zeitpunkt teilte ihr die Kirchenverwaltung / Friedhofsverwaltung allerdings mit, dass eine Verlängerung nicht mehr möglich sei. Die Fläche, auf der sich die Gräber der verstorbenen Heimbewohner*innen befanden, sollte für Reihengräber genutzt werden. Dies erklärt auch Enno Juilfs in einem ausführlichen Interview zum Friedhof.
Der Grabstein, der bis 2023 auf Peteris Langes Grab stand, wurde hingegen in den Gedenkort übernommen. Er befindet sich dort in einer Allee von 63 Grabsteinen, die an die verstorbenen Heimbewohner*innen des 'Altersheims für heimatlose Ausländer' erinnern.
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von Lea Horstmann
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