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Der Friedhof und die Gräber früher

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Gräberfeld der verstorbenen Heimbewohner*innen.

Die Heimbewohner*innen wurden von der (Kirchen-)Gemeinde als 'Ausländer*innen' gelabelt. Sie wurden daher auch auf einem separaten Gräberfeld bestattet. Dieses Feld ist hier rot umrandet.

(Luftbild, 1965, GeoBasis-DE/LGLN 2025)

Insgesamt sind von 1950 bis heute 466 Personen in Varel gestorben, die von der (Kirchen-)Verwaltung als 'Ausländer' bezeichnet und gelabelt wurden. Ein Großteil dieser Personen ist noch während des Bestehens des 'Altersheims für heimatlose Ausländer' gestorben.
Da die Gräber der verstorbenen 'heimatlosen Ausländer*innen' keinem besonderen Status unterlagen, sind sie wie Privatgräber deutscher Verstorbener behandelt worden und hätten nicht auf einem gesonderten Bereich, wie einer Kriegsgräberanlage, angelegt werden müssen.1 Und dennoch ist dies in Varel passiert. Sowohl eine Gräberliste von 1963 als auch das Bestattungsverzeichnis geben Aufschluss darüber, dass die Verstorbenen allesamt in Feld I in den Reihen 1-13 bestattet worden sind. Zudem spricht auch der regionaler Forscher Klaus Taddey von einem "Ausländerteil"2, den es auf dem Friedhof gegeben haben soll.

Ein weiterer Blick in die Gräberliste von 1963 zeigt zudem, dass die Verstorbenen in diesem separaten Feld nach Nationalitäten sortiert worden sind. Auffällig ist insbesondere, dass offensichtlich versucht wurde, die lettischen Verstorbenen
von denen anderer Nationalitäten zu separieren.

  1. Vgl. Frerichs: Altersheim 2023, S. 95 & S.99.

  2. Taddey: Geschichte der Friedhöfe in Varel 2004, S. 124.

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Auszug aus dem Bestattungsregister.

Im Bestattungsregister sind unter anderem der Ort der Grablage, der Name und die Adresse des Grabbesitzers, der Name der/des Verstorbenen, das Datum der Beerdigung und weitere Bemerkungen eingetragen. Bei den meisten Verstorbenen ist im Feld "Bemerkungen" die Nationalität eingetragen. Dort finden sich aber auch die Hinweise auf Paulis Urdze, die Verlängerung der Grabstelle oder der Pflege des Grabes.

Quelle: Kirchengemeinde Varel, Dokument, 1950-1979.

Auf dem Luftbild von 1965 ist zu erkennen, dass sich auf vielen Grabstellen auch Grabsteine befunden haben müssen. Es lässt sich daher annehmen, dass für die meisten Verstorbenen auch ein Grabstein aufgestellt worden ist. Dies wiederum deutet auf die engen Netzwerke und Beziehungen hin, die die Heimbewohner*innen hatten. Denn wahrscheinlich sind Angehörige oder Bekannte für den Grabstein und die Instandhaltung der Grabstelle aufgekommen.

Darauf deutet wiederum auch das Bestattungsregister hin. In der Spalte 'Grabbesitzer' sind dort bei einigen Verstorbenen Angehörige oder Bekannte eingetragen. Zudem finden sich einige Hinweise auf den Zustand der Gräber. Immer wieder ist dort vermerkt, dass die Gräber und auch deren Pflege verlängert worden ist. Dies muss im Umkehrschluss bedeuten, dass die jeweiligen Grabbesitzer*innen die Gemeinde für die Instandhaltung und Pflege des Grabes bezahlt haben.

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Das Grab der Eheleute Gruzna 1951.

Quelle: Privatarchiv Laima Urdze, Foto, 1951.

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Auffstellung des Grabsteines der Eheleute Gruzna.

Quelle: Privatarchiv Laima Urdze, Foto, 1951.

Eines der Gräber, das bereits 1950 auf dem Friedhof in Varel angelegt worden ist, ist das Grab des Ehepaares Pavils und Marta Gruzna. Pavils Gruzna war im Zweiten Weltkrieg vor der vorrückenden Roten Armee geflohen und hat seine spätere Frau Marta in einem DP-Lager kennengelernt. Die beiden heirateten 1947 und kamen drei Jahre später ins Altersheim in Varel. Dort starben beide noch im Jahr 1950.3 

Über einen Kontakt, der sich im Rahmen der Recherche ergeben hat, konnte das nebenstehende historische Foto des Grabes der Eheleute Gruzna ermittelt werden. Das Foto zeigt den Grabstein, der bis heute erhalten ist. Das Grab war darüber hinaus mit Blumen geschmückt. Im Hintergrund lassen sich weitere Gräber, vermutlich ebenso von Heimbewohner*innen, erkennen. Diese sind allerdings teilweise 'nur' mit einem Holzkreuz ausgestattet. Die Kontaktperson hatte zudem noch ein Foto von der Aufstellung des Grabsteins auf dem Friedhof. Zu sehen ist eine große Menschenmenge, die der Aufstellung im Jahr 1951 beiwohnten. Dies zeigt wiederum auch die große Bekanntschaft der Gruznas und ihre engen Beziehungen und Netzwerke.

  1. Vgl. Frerichs: Altersheim 2023, S. 85 & Vgl. O. A.: Pavils Gruzna (Lettland), in: Baltengräber, Ev.-luth. Kirchengemeinde Varel.de, URL: https://www.ev-kirche-varel.de/friedhof-varel/baltengraeber/ehepaar-pavils-und-marta-gruzna (abgerufen am 29.09.2025).

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von Lea Horstmann
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Die Gräber
Aussehen / Gestaltung der Gräber