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Der Gedenkort auf dem Friedhof

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Informationsstele am Gedenkort auf dem Friedhof.

Quelle: Privat.

Der Anstoß für die Entstehung der Gedenkstätte fiel am 22. September 2021. Bei einer öffentlichen Führung über den Vareler Friedhof zeigten Helga von Eßen und Holger Frerichs einer Besuchergruppe ein verwildertes Gräberfeld mit einigen noch sichtbaren Gräbern ehemaliger Bewohner*innen des Altersheims für heimatlose Ausländer, die ab 1960 im Altersheim "Simeon und Hanna" in Varel gelebt hatten. Von den ursprünglich 420 Gräbern war nur ein Bruchteil erhalten geblieben.

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Quelle: Privat.

Aus dem Kreis der Teilnehmer, allen voran Werner Lorek und seine Ehefrau, wurde der verwahrloste Zustand der historisch bedeutsamen Gräber, die in den vergangenen Jahren aufgrund des Auslaufens von Ruhefristen, fehlender Angehörigenpflege, begrenzter finanzieller Mittel und mangelnder Fürsprache sich selbst überlassen wurden als nicht hinnehmbar empfunden. Das Ehepaar regte daraufhin die Gründung einer Projektgruppe an, um die noch vorhandenen Grabsteine zu bergen und das Grabfeld zu einer Erinnerungsstätte umzubauen. Kurz darauf formte sich eine siebenköpfige Initiative aus Privatpersonen, Vertreter*innen der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde, des Friedhofsausschusses und des Trägervereins für die Lokale Agenda 21 in Varel, die gemeinsam das Anliegen, einen würdigen Begräbnisort zu erschaffen, vorantrieben. 2  

  1. Frerichs: Altersheim, S. 95f.; Lorek: Projekt "Baltengräber", S. 1.

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QR-Codes

Auch nach der Einrichtung der Gedenkstätte wurden noch einige Ergänzungen vorgenommen: über QR-Codes an den Grabstellen kann auf einen Wochenschau-Beitrag von 1957 über das Altenheim zugegriffen werden. Ferner wurden noch vier Einzelbiographien zur Verfügung gestellt, damit die Besucher*innen ein besseren Einblick in die Einzelschicksale der Verstorbenen erlangen können. 

Quelle: Privat.

Im Mai 2022 begannen die Arbeiten für die Errichtung der Gedenkstätte. Mithilfe von Mitarbeitern der Friedhofsverwaltung und der in Varel ansässigen Steinmetzerei Steinbach wurde der überwucherte Bereich des Gräberfeldes gerodet, verschüttete Steine ausgegraben und gereinigt. Bei diesen Arbeiten zeigte sich, dass weitaus mehr Steine geborgen werden konnten als zuvor angenommen. Am Ende wurden insgesamt 63 Grabsteine gerettet, die teils mit neuen Fundamenten und Ausbesserungen versehen wurden, und in zwei Reihen zusammengefasst. Es entstand eine schön zu begehende Allee, die einen Weg zwischen den Grabsteinen umschließt.

 

Bereits im September 2023 wurde die Gedenkstätte in einer feierlichen Zeremonie der Öffentlichkeit präsentiert. Die Umsetzung des finanziell aufwendigen Vorgehens wurde über großzügige Spenden lokaler Stiftungen und privater Unterstützer ermöglicht.4  

  1. Frerichs: Altersheim, S. 98.

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Nahansicht Gräberreihe. Quelle: Privat. 

Wer bleibt sichtbar? 

Die Gedenkstätte präsentiert mit 63 von ehemals 420 Grabstellen "nur" einen kuratierten Ausschnitt. Erhalten geblieben sind jene Steine, welche die längste Zeit durch verlängerte Nutzungsrechte, Fürsprache sowie familiäres und ehrenamtliches Engagement rechtlich geschützt und gepflegt wurden (siehe: "Die Gräber").

Diesem Umstand entsprechend prägt vor allem eine Nationalität das heutige Gräberfeld: 78% der Grabsteine gehören Lettinnen und Letten. Hinzu kommen 10 Polinnen und Polen, 4 Estinnen und Esten, 2 Litauer und eine Person aus Jugoslawien.

Die Verantwortlichen der Gedenkstätte sind sich des Umstands bewusst, dass sie keine Abbildung der Realität darstellt, sondern ein konstruierter Erinnerungsort ist, der zufällig Bewahrtes präsentiert und zugleich auf Lücken hinweist, d. h.  auf die Menschen, die bis heute unsichtbar bleiben. Dieser Ausstellung obliegt es, die Geschichte der Bewohnerschaft des Altersheims gerechter und inklusiver zu erzählen. 

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von Anna Asbrock
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