Die Gräber der verstorbenen Heimbewohner*innen
Im Altersheim in Varel verstarben in der Zeit von 1950 bis 1959 nachweislich 411 Personen.1 Nach der Auflösung des Altersheims 1959 sind einige Bewohner*innen in das neue Altersheim 'Simeon und Hanna' umgezogen. Insgesamt sind in der Zeit von 1950 bis heute 466 Menschen verstorben, die von der (Kirchen-)Verwaltung als 'Ausländer' bezeichnet und als solche auf dem evangelischen Friedhof in Varel bestattet worden sind.2
Über die Bestattungen der im Altersheim Verstorbenen ist bisher nur wenig bekannt. Forschungen zu Bestattungen von Displaced Persons an anderen Orten zeigen, dass sich die Heime um die Bestattungen der Menschen kümmerten, wenn diese keine Angehörigen mehr hatten.3
Die Bestattungen selbst wurden von den Geistlichen des Altersheims durchgeführt. Erika Schneider, die ab 1954 im Altersheim als Krankenschwester arbeitete, kann sich erinnern, dass es für viele Heimbewohner*innen "Sitte [war], daß sie in ihren Hochzeitskleidern oder Hochzeitsanzügen bestattet werden".
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Vgl. O. A.: Anlage Nr. 2. des Vertrages vom . Okt. 1963 zwischen dem Land Niedersachsen und der Evangelisch luth. Kirchengemeinde Varel, 30.10.1963, NLA OL Dep 20 FRI Akz. 2012/062 Nr. 172, Niedersächsisches Landesarchiv, Abteilung Oldenburg.↩
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Vgl. O. A.: Bestattungsregister der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Varel; Teil: "Ausländer", 1949-1979, ohne Signatur, Archiv der evangelischen Kirchengemeinde Varel.↩
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Vgl. Grabe, Nina: Die stationäre Versorgung älterer Displaced Persons und "heimatloser Ausländer" in Westdeutschland (ca. 1950-1975) (Medizin, Gesellschaft und Geschichte - Beihefte, Bd. 73), Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2020, S. 123.↩
Ab 1955 kümmerte sich Paulis Urdze um die geistliche Betreuung und Bestattung der lettischen Bewohner*innen des Heims. Nach dessen Auflösung kümmerte er sich ebenso um die lettischen Bewohner*innen des neuen Heims 'Simeon und Hanna'. Urdze war Pastor in der lettischen Gemeinde Ohmstede nahe Oldenburg. Seine Ehefrau schilderte, dass die Bestattungen nach lettischen Zeremonien abliefen und auch auf Lettisch gehalten wurden.5
Paulis Urdze war allerdings nicht nur als Seelsorger und Bestatter in Varel tätig. Er hat sich darüber hinaus auch für den Erhalt der Grabstellen einiger Verstorbener eingesetzt.
Bei den Gräbern der Verstorbenen handelte es sich um Privatgräber, die nach dem Ablauf der gesetzlichen Ruhefrist von 25 Jahren verlängert werden mussten. Für diese Verlängerungen sorgten in vielen Fällen Angehörige, Verwandte oder Bekannte - auch aus dem Ausland.
Konnten sich Angehörige oder Bekannte scheinbar nicht um die Erhaltung der Gräber kümmern, ist in einigen Fällen Paulis Urdze ins Spiel gekommen. An ... Stellen im Bestattungsregister findet sich der Hinweis: "Antrag von Pastor Urzde Oldenburg auf kostenlose Unterhaltung. Lt. Beschluß des Friedhofausschusses vom 17.7.1981 wird dieses Grab solange erhalten, wie die Angehörigen
leben."6Die Hinweise verdeutlichen, dass Urdze Anträge für den Erhalt der Gräber stellte und der Erhalt dann solange genehmigt worden ist wie die Angehörigen der/des Verstorbenen lebten.
Der Einsatz Paulis Urdzes, aber auch die Bemühungen anderer Angehöriger, die Gräber der verstorbenen Heimbewohner*innen zu erhalten, bedingten, dass heute noch 63 Grabsteine vorhanden sind. Sie sind 2022/2023 zu einem Gedenkort aufgestellt worden. Was bleibt ist die Frage nach dem früheren Aussehen der Gräber und des Friedhofes.
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Vgl. Heuzeroth, Günter: Baltenflüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg im deutschen Exil. Ein Balanceakt zwischen Diktaturen und Demokratie; dargestellt an den Baltenkolonien im Oldenburger Land, Oldenburg:
Autorenteam für Kritische Geschichtsschreibung in Weser-Ems 2014, S. 76. und Vgl. Putce, Gita: Telefonat über Paulis Urdze, 08.04.25, Gesprächspartnerin: Lea Horstmann.↩ -
Siehe Eintrag zu Bernhard Liepins, in: O. A.: Bestattungsregister der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Varel; Teil: "Ausländer", ohne Signatur, Archiv der evangelischen Kirchengemeinde Varel, S. 248.↩
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von Lea Horstmann
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