Teodor Panasik
Teodor Panasiks Leben bis 1944
Teodor Panasik wurde am 07.01.1893 in Bloty im Kreis Kobryn (deutsche Schreibweise: Kobrin) in Polen geboren. Sein Todestag ist unbekannt. Seine Heimatstadt liegt östlich von Warschau, knapp hinter der heutigen Grenze zu Belarus. Er gehörte dem katholischen Glauben an. Nach Abschluss der zweiten Schulstufe (secondary school grade) in Kijow wurde er Landwirt. Teodor Panasik konnte Polnisch, Russisch und Deutsch verstehen, fließend sprechen und schreiben. Er ist verheiratet mit Eudokia Panasik. Die Familie Panasik wurde 1930 mit ihrem Sohn, der ebenfalls Teodor Panasik heißt, komplettiert.1Teodor Panasik kam im Zuge des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1944 nach Deutschland, da er von den Deutschen für die Verrichtung von Zwangsarbeit verschleppt wurde.
Teodor Panasiks Leben in Deutschland
Sein bei der IRO angegebener Aufenthaltsort von 1937 bis 1944 war noch eine Stadt im Kreis Kobryn in Polen, welcher vermutlich seinen Heimatort darstellte. Der genaue Stadtname ist unklar, aufgrund von unsauberer Handschrift und daraus resultierender erschwerter Erkennbarkeit. In Deutschland war er mit seiner Frau zunächst in Möns im Kreis Jever. Hier verrichtete er bis 1945 Zwangsarbeit als Landarbeiter auf dem Hof von Georg Hanken. Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches kam Teodor Panasik in das DP Camp Maczków in Haren-Ems. Dort lebte er zwei Jahre lang bis Ende 1947, dann zog er am 02.01.1948 in das DP-Camp Dalum im Kreis Meppen. Nach nur zwei Monaten und neun Tagen zog er auch hier wieder aus und kam im DP-Camp Eversburg in Osnabrück unter. Jedoch blieb auch er hier nicht sehr lange, da er am 04.08.1948 oder am 05.08.1948 nach Buchholz ins DP-Camp Unterlürs im Kreis Hannover zog. Hier blieb Familie Panasik nur kurz und zog am 14.12.1948 schon wieder aus. Für sie ging es weiter ins DP-Camp nach Bodenteich. Hier lebte er verhältnismäßig lange, nämlich bis zum 21.06.1951. Danach bewohnte er das „Old Peoples Home“ in Varel.2 Am 24.08.1959 meldete Teodor Panasik sich mit seiner Ehefrau Eudokia Panasik aus dem Altersheim für heimatlose Ausländer in Varel wieder ab und am 01.09.1959 in Hannover-Misburg wieder an.
Auswanderungsoption nach Australien
Im März 1950 unterzog sich Teodor Panasik in Bodenteich einer ärztlichen Untersuchung vor dem Australian D.P. Selection Team zur Prüfung seines gesundheitlichen Zustandes für eine mögliche Übersiedlung nach Australien. Bei der Untersuchung wurden keine besonderen Auffälligkeiten festgestellt, weshalb er für sein Alter als fit genug beurteilt wurde, um nach Australien überzusiedeln.18 Er entschied sich jedoch gegen die Emigration nach Australien, da er stattdessen 1951 nach Varel ins Altersheim zog.
Die International Refugee Organisation aus der „Area 600 Oldenburg“ teilte ihm die DP-Nummer 373532 zu, die in Formularen zur Identifikation genutzt wurde.20 Teodor Panasik stellte am 02.01.1948 einen Antrag auf Unterstützung bei der IRO.21 Wie dieser Antrag schlussendlich bearbeitet wurde, beziehungsweise ob und wie viel Unterstützung er für sich und seine Frau von der IRO bekommen hat, bleibt unklar.
Stationen seines Arbeitslebens
Die vielen Arbeitswechsel sind Folgen seiner häufigen Wohnortwechsel, die durch die Umstrukturierung der einzelnen DP-Camps bedingt waren. In seiner Heimat arbeitete Teodor Panasik bis 1944 auf seinem eigenen Bauernhof als selbstständiger Landwirt. Diese Tätigkeit musste er beenden, da er als Zwangsarbeiter nach Deutschland deportiert wurde. In Deutschland angekommen, wurde er in Möns im Kreis Jever auf dem Betrieb von Georg Hanken als Landarbeiter eingesetzt, nachdem er am 15.11.1944 beim Arbeitsamt in Wilhelmshaven zur Registrierung vorstellig geworden war. Für die Tätigkeit auf dem Hof erhielt er einen kleinen Lohn in Höhe von 33 Reichsmark. Aufgrund der Kapitulation Deutschlands im Jahr 1945 wechselte er seinen Arbeitsplatz und arbeitete bis 1947 als Gruppenlagerarbeiter im DP-Camp Haren im Kreis Haren-Ems, in dem er zeitgleich auch lebte. Auch hier erhielt er einen Lohn von 160, jedoch ohne erkennbare Währung. Während seiner Zeit in Haren-Ems erhielt er am 21.02.1947 auch seine Identitycard mit der Nummer 179369 von der D.P.A.C.S.Z.69A zugeteilt. Durch die Schließung des Heims 1947 kam er in das DP-Camp Dalum im Kreis Meppen. Seine genaue Tätigkeit und sein Lohn wurden hier nicht angegeben, es lässt sich aber vermuten, dass er hier ähnliche Tätigkeiten wie im DP-Camp in Haren verrichtet hat.5Nach 1947 sind keine weiteren Arbeitsplätze oder anderweitige Tätigkeiten rekonstruierbar.
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Vgl. IRO, AA, 3.2.1.1 / 79563719.↩
Das Leben von Eudokia Panasik
Eudokia Panasik wurde am 01.03.1889 in Naumezyk oder Luszeczyki (dies ist unklar aufgrund unterschiedlicher Schreibweisen) im Kreis Kobryn in Polen geboren. Sie war verheiratet mit Teodor Panasik, der, wie sie, katholisch war. Von Beruf war sie Hausfrau und ihre Staatsbürgerschaft war polnisch. Einen Schulabschluss hatte sie nicht und sie konnte weder lesen noch schreiben, lediglich konnte sie fließend Polnisch sprechen. Sie hatte einen Sohn, der wie ihr Mann auch Teodor Panasik hieß und am 07.01.1930 geboren wurde.7 Sie arbeitete bis zur Zwangsverschleppung nach Deutschland in der eigenen Landwirtschaft mit.
Als sie nach Deutschland kam, war sie 55 Jahre alt und musste zunächst in Möns im Kreis Jever bei dem Landwirt Georg Hanken arbeiten. Hier verdiente sie 25 Reichsmark, was jedoch ein geringerer Lohn war als der ihres Mannes, der 33 Reichsmark bekam. Nach der Kapitulation Deutschlands wechselte sie ihren Wohnort von Möns nach Haren-Ems und somit auch ihren Arbeitsplatz. Im DP-Camp Haren-Ems und auch in ihrem nächsten DP-Camp in Dalum im Kreis Meppen arbeitete sie für das DP-Camp. Von Dalum zog sie dann weiter nach Unterlürs und nach Bodenteich. Am 21.06.1951 kam sie dann im Altersheim für heimatlose Ausländer in Varel an.8
Weitere Wohnorte sind nicht bekannt. Am 02.01.1948 gab sie bei einem Gespräch zur weiteren Betreuung bei der IRO Area 905 in Celle an, dass sie aufgrund der aktuellen Politik nicht zurück nach Polen wollte.9
Das Leben von Teodor Panasiks jr.
Teodor Panasik wurde als Sohn von Teodor und Eudokia Panasik am 07.01.1930 in Planta im Kreis Polesie im Osten von Polen geboren. Er kam 1944 durch die Deportation seiner Eltern als Zwangsarbeiter nach Deutschland. Zu dem Zeitpunkt war er 14 Jahre alt. Wie seine Eltern auch war er katholisch und polnischer Staatsbürger. Er war alleinstehend und neben seinen Eltern ist nichts über weitere Familienmitglieder bekannt.10
Nachdem er 1944 in Deutschland ankam, zog er mehrmals um. Zunächst arbeitete er in Möns im Kreis Jever als Stellmacher für einen Lohn von 24 Reichsmark. Mit seinen Eltern zog er 1945 nach Haren-Ems und ging dort zur „DP-Camp School“ und absolvierte seinen sekundären Abschluss („secondary school grade“), den er bereits in Polen begonnen hatte. Jedoch sprach, las und schrieb er nur Polnisch und keine weiteren Sprachen.
Im Jahr 1947 trennten sich die Wege der Familie: Teodor Panasik jr. zog nun nach Rheda und dann später nach Osnabrück. Hier erhielt er am 18.11.194711 eine sogenannte „pay card“, die es ihm ermöglichte, finanziell flexibler zu sein. Von dort ging es für ihn weiter nach Cuxhaven, Flensburg und Celle,12 wo er jeweils als Fahrer arbeitete und circa 100 Deutsche Mark verdiente. Er war im Juni 1950 auch in Fallingbostel wohnhaft.
Danach zog er 1951 nach Verden/Aller. Zurück nach Polen wollte auch er nicht – gerne wäre er nach Kanada ausgesiedelt. Diese Möglichkeit hatte er jedoch nicht, allerdings lehnte er am 22.06.1950 nach der Vorstellung bei dem Australian D.P. Selection Team in Fallingbostel13die Möglichkeit, nach Australien auszuwandern, ohne Nennung eines Grundes ab. Wohin ihn letztendlich sein Weg nach 1951 führte, ist nicht bekannt.
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von Nelia Henk
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